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Hopfen - wichtige Zutat in Bier und Beruhigungsmitteln

Hopfen wird nicht nur seit Jahrhunderten zur Konservierung und Biergewinnung benutzt, seine schlaffördernde Wirkung ist bereits seit dem Mittelalter bekannt.
Der Hopfen besitzt eine äußerst wechselvolle Geschichte in der europäischen Medizin. Gemessen an der Tatsache, dass die meisten europäischen Arzneipflanzen bereits seit mehr als 2000 Jahren in Gebrauch sind, kann der Hopfen als eine verhältnismäßig junge Arzneipflanze bezeichnet werden.
Die antike Medizin hat ihn jedenfalls nicht verwendet.

Hopfen im Mittelalter

In der frühmittelalterlichen Klosterkultur gab es zwar bereits Hopfengärten, aber die Mönche und Nonnen nutzten das Rankengewächs nicht medizinisch, sondern zur Konservierung von Getränken. Davon berichten auch Hildegard von Bingen (gestorben 1178) und der hoch gelehrte Albertus Magnus (gestorben 1280). Das gehopfte Bier ist also eine Erfindung der Mönche. Im Hochmittelalter waren die arabischen Ärzte ihren europäischen Kollegen weit voraus. Der wichtigste Autor auf dem Gebiet der Botanik und Pharmazie in der arabischen Welt war der in Spanien lebende Abdullah Ibn al-Baytar (1197-1248). Schon er schrieb von der schlaffördernden Wirkung des Hopfens, die heute wissenschaftlich anerkannt ist. Aber auch Hildegrad von Bingen und Albertus Magnus deuten an, dass der Hopfen müde macht: Die Äbtissin meinte, er erzeuge "Melancholie", und der gelehrte Regensburger Bischof schrieb, dass Hopfen einen schweren Kopf mache.

Hopfen als Schlafmittel

Aber dieses Wissen ging im Zeitalter der Renaissance weitgehend verloren. So blieb es dem ausgehenden 18. Jahrhundert vorbehalten, die schlaffördernde Wirkung wieder zu entdecken. Hier spielte unter anderem der englische König Georg III. (1738-1820) eine Rolle, der auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg und ab 1815 König von Hannover war. Georg wurde zeitlebens von schweren gesundheitlichen Problemen geplagt. Zumindest seine Schlafstörung soll im Jahr 1787 aber durch die Verwendung von Hopfenkissen gemildert worden sein. Auch die Ärzte entdeckten den Hopfen als Schlafmittel wieder: Für Christof Wilhelm Hufeland (1762-1836), der zu den bedeutendsten Ärzten der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zählt, ist der Hopfen ein Bittermittel für die Verdauung und ein Nervenmittel zur Beruhigung. Dem folgt der ebenfalls sehr berühmte Clarus, der 1864 in seinem "Handbuch der speziellen Arzneimittel" den Hopfen gegen Appetitlosigkeit bei Magenkatarrhen, für die Magenschleimhaut und bei Schlaflosigkeit empfiehlt. Im 20. Jahrhundert etablierte sich der Hopfen dann als pflanzliches Beruhigungsmittel, vor allem in Verbindung mit der Baldrianwurzel. "Klinische Prüfungen der jüngsten Vergangenheit zeigen, dass diese Kombination in der Behandlung von Unruhezuständen und Einschlafstörungen sinnvoll ist", so der Würzburger Studienkreis "Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde" an der Universität Würzburg. Er wählte den Hopfen (Humulus lupulus) zur Arzneipflanze des Jahres 2007. Damit wurde eine Kulturpflanze gewürdigt, deren Nutzung sich nicht nur auf das Brauereiwesen beschränkt: Extrakte aus den Hopfenzapfen - das sind die zwei bis vier Zentimeter langen, grünlich-gelben weiblichen Blütenstände - bilden heute in Kombination mit der Baldrianwurzel auch die häufigste Darreichungsform pflanzlicher Schlaf- und Beruhigungsmittel.
Quelle: www.gesundheit.de