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Eisernte

Wenn in früheren Zeiten der Winter mild war, dachten die Brauer schon mit Sorge an die Kühlung ihres Gerstensaftes im kommenden Sommer. Denn das Bier wurde noch im ersten Drittel des vorigen Jahrhunderts mit Natureis gekühlt, das im Winter aus den Weihern und Seen der Umgebung oder auch mittels so genannter Eisgalgen gewonnen wurde. Für die Brauereien war das unerlässlich, um das Bier über längere Zeit zu lagern und auch zu schweißtreibender Sommerzeit eine kühle Maß des edlen Gerstensaftes zu genießen. Noch 1880 mahnte der Brauer- und Mälzerkalender:

"Mit Eis stopf' Deine Keller voll, wenn Dir dein Bier gelingen soll!"

Das Eis lieferte die Natur gratis, Kosten entstanden nur für Bergung des Eises von den Teichen und den Abtransport in die Eiskeller der Brauereien. In diesen Kellern, mit Meter dicken Wänden gebaut, musste das gewonnene Eis den ganzen Sommer über die Biervorräte kühlen. Bei der Bierauslieferung lieferten die Brauereien in der Regel handliche Eisblöcke zum Kühlen mit.

In den Wintermonaten hatten traditionell Bauern, Maurer oder Fuhrleute weniger zu tun als in den übrigen Jahreszeiten. Alle, die ihre Arbeit eher nur saisonal ausübten, waren dann froh, wenn sie ein Zubrot bei der Eisernte verdienen konnten. Eis war damals bei allen Brauereien, aber auch in Metzgereien, Schlacht-, Gast- und Kühlhäusern sehr gefragt.

Mit Wagen und Pferden der Brauereien oder Bauern zogen die Arbeiter zu den Seen sowie zu den kleineren Weihern in der Umgebung, die manchmal den Brauereien selbst gehörten. Wenn die Eisdecke etwa zehn Zentimeter dick war, konnten die Arbeiter die Ernte einbringen.

Zunächst wurden mit großen Sägen Platten aus dem Eis gewonnen, wobei Flächen ausgesucht wurden, die möglichst keine Pflanzeneinschlüsse aufwiesen.

Diese wurden anschließend mit schweren Zangen gepackt und mittels langer Haken und Piken an das Ufer geschoben. Dort wurden sie mit Äxten in handliche Blöcke geteilt und auf die Fuhrwerke verladen. Nachdem das Eis – bei Schnee mit einem Pferdeschlitten, ansonsten mit dem Leiterwagen – beim Bierkeller ankam, wurde es abgeladen und in einem an den Bierfässern angrenzenden Raum gelagert und dann mit Holzschlegeln zerkleinert. Dadurch vermied man Lufteinschlüsse und das gewonnene Eis gefror mit der Zeit zu einem riesigen Eisklumpen und kühlte den gesamten Keller.

Die Fuhrleute und die Eissäger wärmten sich ab und zu mit etwas hochprozentigem den die Auftraggeber spendierten.


Um die Kühlung auch in frostärmeren Wintern zu gewährleisten und um Transportkosten zu sparen, kamen dann Eisgalgen auf. Das waren Gerüste aus Holz oder Eisen, die meist an oder günstigstenfalls direkt über den Kellern der Brauereien standen und mit Leitungswasser übergossen wurden, das dann gefror.

Eisernten und Eisgalgen wurden ab den 1950er Jahren schließlich von Kühlschränken und -anlagen verdrängt.
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