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Ausflug nach Mallersdorf, Aldersbach und Vilshofen

Samstag, 26. März 2011
Morgens um 7.30 Uhr ging die Fahrt am Erlanger Busbahnhof los, mit kleinem Zwischenstopp in Nürnberg, um unseren Organisator Walter mitzunehmen. Kurz nach 10.00 Uhr kamen wir in Markt Mallersdorf-Pfaffenberg im Städteviereck Regensburg – Straubing – Dingolfing – Landshut an. Hier standen zwei Brauereibesichtungen an.

Die erste Station führte uns zum Hausbrauer Riachard Schwientek, der sogenannten "Bahnhofsbräu". Hier wurden wir sehr herzlich und gastfreundlich von der gesamten Familie empfangen. Unsere durstigen Kehlen wurden mit seinem selbstgebrauten frisch gezapften Weißbier, mit einem fruchtigen Bananen-Aroma, im Nachgang mit leichter Säure einer Ananas, verwöhnt. Auch unser Hunger wurde mit einem sehr guten warmen Leberkäse mit Breze gestillt.
Namensgeber für die Privatbrauerei war der nahegelegene Mallersdorfer Bahnhof, der zwischenzeitlich jedoch abgerissen wurde. Lediglich eine Haltestelle erinnert noch daran.

Das Sudwerk des Hausbrauers ist auf 2,5 hl ausgelegt, ca. 4mal im Jahr wird gebraut.

Besondere Begeisterung und ein klein bisschen Neid kam bei dem Piaggio Dreirad mit Schankanlage auf. So einen wollen wir auch!


Gegen 12.00 Uhr mussten wir aufbrechen, um mit Schwester Doris von der Kongregation der Armen Franziskanerinnen die Klosterbrauerei zu besichtigen. Der Abschied fiel uns schwer, da wir hier sehr familiär und freundschaftlich aufgenommen worden war.

Doch ein weiteres Highlight unseres bierigen Wochenendes stand an. Wir wurden von der sehr lebenslustigen und patenten Bräuerin Schwester Doris empfangen.

Nach urkundlichen Beleg wird seit 1623 auf dem kleinen Hügel entlang dem Tal der Kleinen Laaber das würzige Klosterbier gebraut – damals noch von den Benediktinern Mönchen. Im Jahr 1881 wurde die alte Brauerei von den Mallersdorfer Schwestern wieder errichtet und das erste Bier der Schwestern gebraut.

Seit 1933 steht eine klösterliche Braumeisterin dem kleinen Betrieb vor. Die erste Braumeisterin war Schwester Lisana. Schwester Doris wurde von ihr in die Braukunst eingewiesen. Im Jahre 1976 legte Schwester Doris als erste Frau und Beste des Kurses an der Berufsfachschule in Ulm die Brau- und Malzmeisterprüfung ab.

Die Brauerei stellt jährlich 3.000 hl Bier und 700 hl Limonaden her. Schwester Doris wird von zwei Angestellten unterstützt. Sie hätte gerne zur Unterstützung noch einen weiteren männlichen Brauhelfer. An Bewerbungen würde es da bestimmt nicht mangeln ;-).

Im Kloster werden ca. 500 Personen versorgt, daher benötigt das Kloster 18% der Produktion selber. Die Nonnen erhalten zum Mittag- und Abendessen soviel Bier wie sie möchten. Schwester Doris erzählt freimütig, dass der Bierabsatz im Kloster zurück geht, da die "jungen" Nonnen die ins Kloster eintreten, kein Bier trinken, damit sie schlank bleiben. Kurze Anmerkung, die jüngste Nonne ist Anfang Vierzig :-)

Vertrieben wird das Bier im eigenen Getränkemarkt und in Getränkemärkten der Region Regensburg, Landshut und Straubing.

Nach einer kurzen Einleitung über die Historie des Klosters haben wir unsere Führung in der Flaschenfüllerei begonnen, die im Jahr 2002 erneuert wurde. Hier ging einigen das Herz auf, welche Schätze und Raritäten hier herumstanden – alte Bierkästen von verschiedenen Brauereien und Limonadenflaschen noch mit Bügelverschluss, die schon mehrere Jahrzehnte alt sind und kaum noch zu finden sind.


Danach ging es ins Sudhaus, in dem pro Sud 38 hl Bier hergestellt wird. Während des Weges nach oben zum kupfernen Kühlschiff (beim Berühren der Oberfläche wusste man, warum es Kühlschiff genannt wird) kamen wir an der alten Schrotmühle und dem Malzboden vorbei. Die letzte Station unseres Rundgangs war der Gärkeller mit Jungbier und Kräusen.

Nach so vielen Anekdoten und illustren Erzählungen von Schwester Doris wollten wir nun nicht mehr länger warten und endlich das Gebraute probieren. Wir wurden nicht enttäuscht! Zur Auswahl standen Zoigl, Vollbier Hell oder Doppelbock. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatten wir Schwester Doris vollends in unser Herz geschlossen. In einem gemütlichen Gartenhäuschen haben wir den wohlschmeckenden Gerstensaft und die Idylle genossen. Schwester Doris verwöhnte uns zusätzlich noch mit leckeren Erzeugnissen des Klosters – Brot, Butter und Wurst. Auch ihr merkte man die Begeisterung über unseren Besuch an. Sie gab sehr gerne Ratschläge und Tipps aus ihrem Braueralltag und ihrer langjährigen Erfahrung.

So gegen 14.30 Uhr mussten wir uns schweren Herzens verabschieden, da der Braumeister Peter Wagner von der Aldersbacher Brauerei um 16.00 Uhr auf uns wartete.

Gut gelaunt und bierseelig ging die Fahrt weiter nach Aldersbach. Da bei der Ankunft gerade die Sonne schien, haben wir die Gelegenheit für ein Erinnerungsgruppenfoto genutzt.


Nach einer kurzen Begrüßung "Die Brauer aus Franken sind da", wurden wir durch die technischen Anlagen der Brauerei geführt. Die Klosterbrauerei hat einen jährlichen Bierausstoß von 110 000 hl, das entsprach im Jahr 2009 einen Umsatz von (!) 10 Mio. €. Im Jahr 2005 wurde die neue Flaschenfüllanlage eingebaut, die eine Energieersparnis von 50% mit sich bringt.

Interessant ist, dass Aldersbacher Bier bei uns in Franken nicht vertrieben wird.

Vor der Besichtigung des Brauereimuseums machten wir einen kurzen Abstecher in die Asam-Kirche Mariä Himmelfahrt, die mit der Gründung des Kloster Aldersbach 1146 errichtet wurde. Den barocken Stil erhielt die Kirche 1720 unter dem italienischen Bauherrn Domenico Magazini. Dieser beauftragte die Gebrüder Asam, den Maler Cosmas Damian und den Stuckateur Egid Quirin mit der Innengestaltung.

Besonders sehenswert und bekannt ist das Deckenfresko im Mittelschiff, das die Weihnachtsgeschichte darstellt.

Asam-Kirche Mariä Himmelfahrt

Leider blieb nicht mehr viel Zeit für das Brauereimuseum. Herr Wagner erzählte uns von der Bayerischen Landesausstellung 2016 "Bier in Bayern". Sie hätten nicht gedacht, dass sie den Zuschlag für die Ausstellung bekommen und haben sich um so mehr über die erfolgreiche Bewerbung gefreut. Die Vorbereitungen für die Ausstellung laufen schon an. Auch im Museum sind Umbaumaßnahmen geplant.

Kurt war voller Freude, als er im Museum einen alten Würzeberieselungskühler sah, den er auch in seinen Kommunbrauhaus Junkersdorf stehen hat. Endlich sah er den Kühler einmal komplett angeschlossen.

So langsam ließ die Konzentration nach und Durst kam wieder auf. Daher gingen wir hinüber ins urige rustikale Braustüberl. Der Braumeister hat uns auf ein Bierchen eingeladen und verriet uns seine fränkischen Wurzeln :-)

Vor dem Abendessen wurden die Zimmer im Kloster bezogen. Das erinnerte ein bisschen an Ostern, nur mit dem Unterschied, dass keine Eier sondern die Zimmer gesucht wurden. Man musste aufpassen, dass man sich bei den langen verwinkelten Gängen nicht verläuft und wieder den Ausgang zum Abendessen findet.

Um 19.00 Uhr gab es die bestellte Bierhaxe.

Im Bräustüberl ging es zünftig zu und klang mit gutem Bier und den Wirtshausmusikanten zu später Stunde aus.

Es war ein erlebnisreicher Tag. Wir haben drei kontrastreiche Brauereien besucht, die nicht unterschiedlicher hätten sein können: eine super gepflegte mit handwerklichen Geschick, eine mit sehr viel Herz und Gottesfurcht und eine sehr moderne Hightech-Anlage.

Wir fielen glücklich und zufrieden in unser Klosterbettchen.


Sonntag, 27. März 2011

Morgens ab 07.30 Uhr (!) gab es Frühstück – zu dem alle früher oder später eingetrudelt sind. Erschwerend kam hinzu, dass uns durch die Sommerzeitumstellung eine Stunde Schlaf genommen wurde.

Abfahrt war um 9.00 Uhr. Als kleine "Wegzehrung" spendete der Braumeister Peter Wagner uns einen Kasten "Export" und "Hell".

Noch schlaftrunken und im halbwachen Zustand ging es zum Vilshofener Spezialbrauer Stefan Jäger "Jeggarius Bräu".

Hier fühlte man sich in eine andere Welt entrückt. Plötzlich wurde uns das Mittelalter all gegenwärtig.

Herr Jäger erklärte uns seine Brauanlage, in der er Biere u. a. mit den Bezeichnungen "Gaukler Pils", "Mönchsglück", "Rittergold" oder "Thors Hammer" braut. Die anschließende Bierprobe, sowie des von ihm kreierten Bierlikörs war ein wahrhaft "mittelalterliches Geschmackserlebnis".

Sommi’s persönliches Fazit "Das Mittelalter ist nichts für mich!".

Herr Jäger steckt sehr viel Zeit und Mühe in seine Brauerei. Das wurde uns deutlich, als die von Willy gekauften Bierflaschen noch schnell vor der Abfahrt per Hand von ihm etikettiert werden mussten. Hilfe bekam er dabei von ihr, da sie die Etiketten vorher noch mit Datum abstempelte.


Von hier aus fuhren wir ein Stück der Blauen Donau entlang, zu unserer letzten Bier-Station in Schwarzach, der ehemaligen Brauerei Eibauer – Bayerns ältesten Weißbierbräuhaus Anno 1548.


In der wunderschönen und gemütlich eingerichteten Gaststätte im alten Bräuhaus "Markus im Sudhaus" haben wir zu Mittag gegessen. Das Essen hier ist sehr zu empfehlen – frisch zubereitete Hausmannskost dekorativ und mit Liebe angerichtet.

Herr Eibauer Senior erklärte uns seine kleine Brauanlage und öffnete für uns seinen Getränkemarkt, in dem er auch Spezialbiere aus dem In- und Ausland anbietet.

Wehmütig haben wir erfahren, dass am Abend vorher hier das Starkbierfest statt gefunden hatte. Schaaaaade!

Auch von Herrn Eibauer wurden wir gastfreundlich und zuvorkommend empfangen.

Die Heimfahrt war gerettet, da wir selbstgebrautes Weißbier "Bräuhaus Weiße" von ihm mitbekommen haben. Das Weizenbier wird im Lohnbrauverfahren in einer naheliegenden Brauerei gebraut. PROST!


So gegen 17.45 Uhr kamen wir wieder am Busbahnhof in Erlangen (mit unserem Vorsitzendem ;-) ) an.

Walter hat am Ende der Fahrt verraten, dass unser Hobbybrauer Ausflug im nächsten Jahr nach Unterfranken gehen wird.

Den Bericht möchte ich mit den Versen von Ringelnatz abschließen, der im Bräuhaus Schwarzach an der Wand stand:

"Die besten Vergrößerungsgläser für die Freuden dieser Welt sind die, aus denen man trinkt."

Nochmals ganz herzlichen Dank an den Organisator Walter Geißler, durch dessen Fachwissen um die Brauereien und den persönlichen Beziehungen so eine erlebnisreiche und unvergessliche Exkursion erst möglich wurde.

Fotos: Sabine Ismaier ==> www.erlanger-fotos.de
Text: Sabine Ismaier, Kurt Maria Adler